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WLO-Cert Statement BG

WLO-Cert, das Zertifikat für den emissionsreduzierten Wasserlosen Offsetdruck

 

Nachfolgend das Statement der BG-ETEM (vormals BG Druck & Papier) Wiesbaden, 
zu diesem Zertifikat:

 

EMISSIONSREDUZIERTER WASSERLOSER OFFSETDRUCK

Der Umweltschutz, im Besonderen die Verringerung von Emissionen, nimmt in unserer heutigen Gesellschaft einen immer größeren Stellenwert ein. So besteht ein vorrangiges Ziel der europäischen Umweltpolitik in der Reduzierung der Emissionen leichtflüchtiger organischer Verbindungen (englisch: VOC, volatile organic compound). Gleichzeitig sollen Ressourcen geschont und Abfälle vermieden bzw. reduziert werden. Dem gemäß sollte ein Prozess in der Industrie so gestaltet sein, dass für die Umwelt problematische Stoffe in möglichst geringen Mengen anfallen.

Aus heutiger Sicht gab bzw. gibt es im Offsetdruck zwei problematische Bereiche. Der erste ist der Einsatz von Wasch- und Reinigungsmitteln. Die Entwicklung immer leistungsstärkere Maschinen führte in der Vergangenheit zwangsläufig zu immer höheren Lösemittel-Emissionen und verschärfte so Gesundheitsprobleme durch vermehrte Belastung der Atemluft sowie Brandschutzprobleme. Um diese Problematik zu lösen, sind mit der Umstellung auf gering verdunstende Wasch- und Reinigungsmittel (Lösemittel) die Schritte in die richtige Richtung erfolgt (Stichwort „Brancheninitiative zur Verminderung von Lösemittelemissionen im Offsetdruck“ der BG Druck und Papierverarbeitung, 1995).

Der zweite Bereich sind die Emissionen aus dem Feuchtwasser beim Nassoffsetdruck-Prozess. Isopropanol (IPA, Isopropylalkohol) wird in den meisten Offsetdruckereien dem Feuchtwasser zugesetzt und wurde zum „unverzichtbaren“ Hilfsmittel für die Druckqualität und –stabilität. Dass IPA die Gesundheit schädigen kann, ist seit längerer Zeit bekannt und wurde immer wieder diskutiert. Störungen können das zentrale Nervensystem treffen, was zu Kopfschmerzen oder zu Konzentrationsschwierigkeiten, eventuell auch zu Desorientierung führen kann. In der Wirkung kann IPA in sehr hohen Dosen auch Leber und Nieren schädigen. Aufgrund dieser Erkenntnisse wurde vor einigen Jahren vom Gesetzgeber die zulässige Konzentration an IPA in der Atemluft gesenkt und die Anwendungsmenge von IPA im Feuchtmittel reglementiert.

Weitere Aspekte, die beim Einsatz von IPA berücksichtigt werden müssen, sind z. B. vorsorgende Maßnahmen im Brand- und Explosionsschutz, aufgrund des geringen Flammpunktes dieser leichtflüchtigen organischen Verbindung. Dass IPA zum Entstehen von bodennahem Sommersmog beitragen kann, bzw. beim Abbau der Ozonschicht in der oberen Stratosphäre beteiligt ist, verdeutlicht ebenfalls den Handlungsbedarf, die Suche nach technischen Lösungen zu intensivieren und zu unterstützen. Zwar konnten bei der Reduzierung des IPA-Anteils im Feuchtwasser zwischenzeitlich auch schon gute Erfolge verzeichnet werden, jedoch kann festgestellt werden, dass in vielen Druckereien immer noch zuviel IPA eingesetzt wird.

Der so genannte „wasserlose Offsetdruck“ bzw. „Trockenoffset“ bietet hierbei systemimmanent einen entscheidenden Vorteil. Ohne Alkoholfeuchtung erübrigt sich naturgemäß die Frage nach den daraus resultierenden Emissionen. Zudem entfallen Problembereiche wie die Konservierung des Feuchtwassers, Stichwort Biozide, und der daraus resultierenden Wasserbelastung, und die Entsorgung verschmutzten Feuchtwassers. Der wasserlose Offsetdruck würde die Probleme mit IPA mit einem Schlag lösen.

 

Das Zertifikat »Emission geprüft«

Die Berufsgenossenschaft Druck und Papierverarbeitung hat sich der Thematik „Emissionsreduzierung“ bereits Anfang der 90er Jahre gestellt und damit eine Vorreiterrolle im grafischen Gewerbe eingenommen. Wir haben uns dabei dem Leitprinzip der Minimierung von Emissionen verpflichtet. Mit der Brancheninitiative „Lösemittel Offsetdruck“ wurde das Problemfeld Lösemittelemissionen im Bereich der Druckindustrie aktiv angegangen.

Denn Emissionen, sowohl stoffliche, z. B. in Form von Puder oder Lösemittel, als auch physikalische wie Lärm oder Strahlung sind das Problemfeld, mit dem der Drucker jeden Tag konfrontiert ist. Dies ist mit Belastungen der Atemluft im Drucksaal verbunden und äußert sich auch in Verschmutzungen der Druckmaschine.

Die Optimierung des Druckprozesses durch verbesserte, emissionsärmere Maschinen, ist ein wichtiger Ansatz, diese Problematik in den Griff zu bekommen. Die Berufsgenossenschaft Druck und Papierverarbeitung fördert seit 5 Jahren besonders emissionsarme Technologien, indem sie das Zertifikat BG-PRÜFZERT »Emission geprüft« für vorbildliche Lösungen im grafischen Gewerbe durch die Prüf- und Zertifizierungsstelle des Fachausschusses Druck und Papierverarbeitung vergibt.

 

Zertifikatsanforderungen

Um das Zertifikat »Emission geprüft« zu erhalten, muss nachgewiesen sein, dass die Druckmaschine so konstruiert ist und betrieben werden kann, dass die Emissionen, z. B. Lösemittel aus Wasch- und Reinigungsprodukten, Feuchtmitteln, Farben und Lacken bzw. deren Nebel sowie Druckpuder, Ozon, UV-Strahlung und Lärm deutlich unterhalb der niedrigsten in den Ländern der EU gültigen Grenzwerte oder Empfehlungen liegen.

Um Aussagen über die vielfältigen Anforderungen im Offsetdruck in der Praxis zu gewinnen, werden im Rahmen der Prüfung Testreihen sowohl auf Papier wie auch auf Karton gedruckt. Als Druckfarben können Standardfarben, UV-Farben und Sonderfarben wie Hybridfarben eingesetzt werden. Ebenso werden Anwendungen mit Wasserlacken oder UV härtenden Lacken geprüft.

Das dann erstellte Zertifikat gibt Auskunft darüber, welche Anwendungen für den jeweiligen Druckmaschinentyp erfolgreich geprüft wurden.

Selbstverständlich fließen dabei die Aspekte der Sicherheitstechnik ebenfalls mit ein. Die Überprüfung der Einhaltung der europäischen Sicherheitsbestimmungen (GS-Prüfung) durch die Prüf- und Zertifizierungsstelle des Fachausschusses Druck und Papierverarbeitung ist ebenfalls eine Voraussetzung, um das Zertifikat »Emission geprüft« zu erhalten.

Die „European Waterless Printing Association – EWPA“, dem Verband zur Förderung des Trockenoffsets, hat es sich ebenfalls zur Aufgabe gemacht, generell die Reduzierung von Emissionen im Offsetprozess voran zu bringen. Zu diesem Zweck vergibt die EWPA für besonders emissionsreduzierte Druckmaschinen das Zeichen »Emission Reduced Waterless Offset - ERWLO«. Auch hier erfolgt der Nachweis der Emissionsreduzierung und natürlich damit immer einhergehend der entsprechenden Sicherheitstechnik durch die Prüf- und Zertifizierungsstelle des Fachausschusses Druck und Papierverarbeitung im Rahmen der Zertifizierung BG-PRÜFZERT »Emission geprüft«.

Gesundheitsschutz ist Umweltschutz - und umgekehrt

Nicht nur Behörden, auch immer mehr Kunden erwarten heute von einer modernen Druckerei aktive Maßnahmen zum Schutz der Umwelt. Die mit dem Qualitätssiegel BG-PRÜFZERT »Emission geprüft« ausgezeichneten Druckmaschinen sind hier ein wesentlicher Baustein. Sie bieten die technischen Voraussetzungen hierfür.

Der Schlüssel zum Erfolg ist jedoch das verantwortungsvolle Handeln des Anwenders. Es kommt darauf an, dass er entsprechend geschult und ausgebildet ist, um sowohl die adäquaten technischen als auch chemischen Produktionsmittel auszuwählen und diese sachgerecht zu nutzen.

Heute werden Maschinen, die das BG-PRÜFZERT Zeichen »Emission geprüft« erhalten, oft als „Öko-Druckmaschinen“ bezeichnet. Dabei steht „Öko“ sowohl für Ökologie als auch für Ökonomie. Ökologie, da es diese Maschinen dem Drucker ermöglichen, durch Optimierung des Druckprozesses, emissionsreduziert zu drucken. Ökonomische Vorteile bestehen darin, dass diese Maschinen die technischen Voraussetzungen haben, die benötigten Hilfsmaterialien effektiver als bisher einzusetzen und somit die dafür anfallenden Kosten deutlich zu reduzieren. Der Druckprozess kann also mit höherer Rentabilität gestaltet werden.

Gesundheitsschutz und Umweltschutz - richtig durchgeführt – schützt, reduziert Kosten und erhöht die Produktivität.

 

Wiesbaden, im Dezember 2005

Referat Arbeitsstoffe, Telefon (0611) 131-326, Telefax (0611) 131-319

E-Mail chemie(at)bgdp.de, Internet www.bgdp.de

Text im Internet unter www.bgdp.de/presse

 

EWPA - European Waterless Printing Association e. V.